Von Maike Hessedenz
HILFE Peter Winkel entreißt die beiden Kinder dem tödlichen Strudel / “Ich kenne den Bach”
Am Rhein kennt er sich aus, ist seit 1980, seit er nach Frei-Weinheim gezogen ist, jede freie Minute am Wasser, hatte selbst seinen Wohnwagen auf dem Campingplatz am Rhein stehen. Jetzt machte seine Schwimm-Leidenschaft Peter Winkel zum Lebensretter. Er war es, der die beiden Kinder, die am Samstag beinahe mit der jungen Frau ertrunken wären, aus dem gefährlichen Strudel gerettet hat.
Gerade war er selbst mit Kindern im seichten Wasser am Ufer am Spielen, “auf einmal hab ich nur noch Arme wedeln sehen”. Dass der Durchbruch zwischen Fahrrinne und Seitenarm eine gefährliche Ecke ist, weiß er – weswegen er keine Sekunde gezögert hat und losgeschwommen ist. Die beiden kleinen Kinder konnte er greifen, auch der Frau habe er zugerufen, sich an seinem Knöchel festzuhalten. “Ich bin mit den Kindern untergetaucht, um dann aus dem Strudel rauszuschwimmen”, erklärt er, wie man sich aus einer solchen Strömung rettet. “Ich habe die Frau noch am Handgelenk gehabt, ihr zugerufen, sich festzuhalten”, erzählt er. Die Panik der Kinder und der Frau habe allerdings auch ihn soviel Kraft gekostet, dass er zunächst nur die fünf- und sechsjährigen Kinder in Sicherheit gebracht habe. “Ich wollte zurück, die Frau holen”, sagt der 49-Jährige. Die inzwischen eingetroffenen Retter hätten ihn allerdings davon abgehalten, nochmal loszuschwimmen. “Ich hab´ ja gesehen, wo sie untergegangen ist und hab die ganze Zeit hingedeutet.”
Die ganze Nacht habe er nicht geschlafen, “ich ärgere mich so, dass ich die Frau nicht retten konnte”. Und auch, weil er sich gefragt habe, wie die beiden Erwachsenen so unvernünftig sein konnten, sich mit den Kindern so weit vom Ufer zu entfernen und sie dann noch von der Krippe ins Wasser springen zu lassen.
“Ich habe das Rettungsschwimmer-Abzeichen, ich schwimm´ für mein Leben gern”, erzählt der Wirt, der seit 2005 in Frei-Weinheim die kleine Kneipe “Zum Rechten Winkel” betreibt und unter anderem auch im CVFW und im VfL aktiv ist. “Ich kenne den Bach”, sagt er über sich selbst und seine Liebe zum Rhein, seinen beiden Kindern, heute 22 und 25 Jahre alt, habe er selbst im Strom das Schwimmen beigebracht, habe schon viele Sommer am Wasser verbracht.
Dass am Rhein etwas geschehen muss, damit die Zahl der Opfer minimiert werde, findet er seit Langem: “Man müsste in der Sommersaison ein DLRG-Boot direkt vor dem Durchbruch stationieren”, schlägt er vor. “Oder den Durchbruch zumachen und woanders hin verlegen.”
Als Held will er sich nach seiner Rettungsaktion nicht feiern lassen, betont er, “ich bin doch nur meinen bürgerlichen Pflichten nachgekommen.”
- Quelle: Allgemeine Zeitung